Mail von N., (m), Jahrgang 1968

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Gerade in Songs (und Filmen) kommt die Kritik am Auto aber tatsächlich eher selten vor und steht einer vielfältigen und endlosen Feier der Freiheit und Coolness gegenüber.

"Thelma und Louise" oder "Gimme The Car", I like it, ich kann's nachvollziehen, aber wenn ich konkret zurückdenke, hatten das Auto und ich nie eine prickelnde Beziehung.

Da ich in einer Familie von Fahrradfahrern ohne Auto aufgewachsen bin, war für mich in meiner Kindheit und Jugend das Auto eher ein Ausdruck von Luxus. Man gönnt sich ausnahmsweise mal eine Taxi-Fahrt, aber eigentlich tut es nicht nötig - so war das.

Als ich dann mit 18 den Führerschein gemacht hab, wurde ein kleiner grüner Toyota Starlet gekauft.

Die dann doch zumindest manchmal empfundene Freiheit (z.B. endlich nach Bremen oder Oldenburg fahren ohne auf Zug und Bus angewiesen zu sein), hatte allerdings auch gleich eine Kehrseite: Da meine Eltern ja keinen Führerschein hatten, wurde ich somit Chauffeur für blöde Verwandten-Besuche oder größere Einkäufe, etwa in öden Baumärkten. In der Clique gab's dann häufiger das Problem: Ich war der Fahrer und konnte keinen Alkohol trinken (tat es dann aber manchmal doch, fühlte sich trotzdem nicht ok an). Aber das Unangenehmste für mich waren: Werkstätten, TÜV, Reparaturen, Autowäsche, Eiskratzer, Batterieprobleme, Tiefgaragen, Parkplatzsuche: habe ich alles gehasst. Und besonders: in der Regel männliche Gespräche über Fabrikate, Motoren, Pferdestärken, Einspritzer, Felgen: das hasse ich immer noch.

Insofern bin ich für die Kritik am Individualverkehr mit Verbrennungsmotor, die es aus den unterschiedlichsten Gründen ja wirklich schon seit damals gibt, immer besonders empfänglich gewesen.

Weitere Blicke in den Rückspiegel